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7. Die Umgebung von Barcelona: Spanien

Wie schon oben angesprochen, lohnt sich für Dali- Interessierte ein Besuch in Figueres. Ein Reiseziel in der Nähe von Barcelona ist auch Montserrat, eine alte Klosteranlage, die sich den Vorwurf gefallen lassen muß, daß dort weniger das Kloster und die schwarze Madonna im Vordergrund stehen, sondern möglichst viele Touristen zu schröpfen.
Die Anreise nach Figueres und Montserrat gestaltet sich sehr angenehm per Bahn. Zwar kann man dorthin auch mit dem Auto fahren, doch wurde einem Bekannten in Montserrat das Auto aufgebrochen, was - wie die örtliche Polizei meinte - ortsüblich sei. Mit der Bahn fuhr ich mit einem Bekannten für eine Woche nach Madrid. Wenn man schon in Spanien verweilt und die Sprache flüssig beherrscht, so sollte man sich das nicht entgehen lassen. Madrid ist noch größer, noch wuseliger und hat noch mehr Museen. Der Prado, das Museum der Königin Sofia (Guernica von Picasso) und die Sammlung Thyssen-Bornemisza sind alleine schon einen Besuch der Hauptstadt wert.
Die Stadt versprüht eine eigenwillige, angespannte Atmosphäre, doch leben möchte ich dort nicht. Genau so wenig wie ewig in Barcelona. Oder vielleicht doch? Das Wetter war jedenfalls hervorragend: Die letzten drei Monate hatten wir so gut wie keinen Regentag.


8. Zum Leben in Barcelona und einige praktische Hinweise

8.1 Saturday night fever

Was soll man denn machen, wenn man nicht gerade Jura oder Spanisch lernt? Die Frage müßte eigentlich eher heißen: Was kann man nicht machen? Hinweise auf die meisten Veranstaltungen finden sich in der "Guia del Ocio" und Freitagsausgabe der "El Pais". Empfehlenswert ist übrigens das ungeheuer reichhaltige Kinoprogramm. Kino ist hier nicht nur billig, sondern es gibt unzählige Programmkinos mit Spielfilmen aus der ganzen Welt. Interessant sind die Filme oft schon deshalb, weil die Spanier nicht der Unsitte verfallen sind, gleich jeden Film zu synchronisieren. Man kann aber auch in eine Kneipe gehen und dort eine leckere Tapa verputzen. Wenn man dann die zweite oder dritte bei einem Schlückchen Weißwein vernascht hat, dann wird man sich zwangsläufig die Frage stellen, wie es die Spanier bei solchen Köstlichkeiten nur schaffen können, so dünn zu bleiben. Aber das ist eigentlich nicht schwer, denn wegen des warmen Wetters ißt man weniger.
Von einem Besuch einer Bar am Samstag Abend, zumal in der Altstadt, wird teilweise gewarnt, denn er kann überraschend enden. Es besteht die große Wahrscheinlichkeit, daß man zwischen zwei Pfeifsignalen nicht als Gast für den Wirt existiert. Denn dann regiert der Fußball die Seelen der Barcelonesen. Und das ist derart beeindruckend, daß man sich gerne seinem Schicksal fügt und Teil des rotblauen Meeres wird. Fußball in den Bars zu genießen, ist auch fast schon ergreifender als im Stadion zu sitzen. Vor allem, wenn Barca gewinnt. Wenn der Verein verliert, dann weint Barca. Und sollte man gegen - der Barcelonese möge mir jetzt bitte verzeihen, wenn ich überhaupt daran zu denken wage - Madrid verlieren (letzte Saison 0:5), dann zieht sich das Wehklagen hin bis zum Montag, an dem alle Zeitungen von diesem Weltuntergang berichten. Nein, es ist schlimmer. Es ist so deprimierend, daß man das Wochenende am liebsten vergißt. Und das, nachdem man zwanzig Jahre beim Thema Fußball immer wieder auf das Spiel von 1974 hingewiesen wurde, bei dem man Madrid mit 5:0 besiegte (das Gefühl ist noch schlimmer, als wenn der 1. FC Köln 0:10 gegen Bielefeld - Amateure versteht sich - verlieren würde).
Doch nach einiger Zeit gewöhnt man sich an solche Absonderlichkeiten und - je länger man da ist - wird man Teil von Barcelona, so daß man sehnsüchtig zurückblickt, wenn das Studium zu Ende ist.

8.2 Praktische Tips

Eines der ersten Probleme wird sein, daß man niemanden kennt. In der Jurafakultät werden auch nicht allzu viele Deutsche studieren (neben mir gab es noch zwei Berliner). Die Spanier lernt man schnell kennen. Wenn man unbedingt Kontakt zu Deutschen sucht, so lohnt sich ein Gang zu dem BWL-Erasmusbüro, denn die UAB hat einen regen Austausch mit Passau. Man sollte dann aber nicht vergessen, daá man dann die Sprache nicht ganz so schnell lernt. Daneben bietet der kostenlose Sprachkurs eine sehr gute Möglichkeit, andere Ausländer kennenzulernen. Allein aus diesem Grund ist die Teilnahme sinnvoll.
Hingegen braucht man nicht unbedingt das Einwohnermeldeamt zur Anmeldung zu gehen. Die Polizei wird schon nicht eines Tage vor der Tür stehen. Dafür ist sie in der ganzen Stadt stets präsent, was einem schon ein Gefühl von Sicherheit geben kann. Auch in der Bahn und Metro - die sicherlich sinnvollsten Verkehrsmittel - passiert recht wenig. Wenn aber etwas passieren sollte, so stellt sich die Stadtpolizei als völlig unfähig dar, wie ich es leider selbst nach einem Raubüberfall erleben mußte. Aber sogar das kann einem Barcelona nicht vermiesen.
Geldmäßig gab es kaum Probleme, da man überall mit einer EC-Karte Peseten ziehen konnte. Vor dem Abflug sollte man prüfen, ob die EC-Karte auch noch im nächsten Jahr gültig ist, wenn man über Weihnachten nicht nach Hause fliegt. Schließlich bietet die Uni spottbillige Skitouren nach Andorra an. Das Leben ist angenehm preiswert, wenn man wie Spanier lebt. Will man hingegen richtig Geld loswerden, so braucht man nur eine Wohnung nehmen, die speziell nur an Ausländer vermietet wird. Die sind dann aber auch oft wesentlich sauberer.
Überhaupt ist die allgemeine Unzuverlässigkeit ein nicht zu unterschätzendes Problem. Einerseits kann man - wie ein Kommilitone aus Berlin - daran verzweifeln, andererseits kann man auch durch das Nichtstun angesteckt werden. Doch diese unbeschreiblich schöne und interessante Stadt aus Faulheit nicht kennenzulernen, wäre ein unglaubliches Versäumnis.


9. Zusammenfassung

Gerade ging mir die Frage durch den Kopf, ob ich das Auslandsstudium wieder machen würde. Zwar hat die Zeit im Ausland die Gesamtdauer meines Studium verlängert. Doch die Erfahrungen, die man dadurch gewinnt, sind es wert: Man lernt eine Menge Leute, sich selbst und insbesondere auch eine unglaubliche Stadt kennen. Man sieht danach die Welt und Deutschland aus einem etwas anderen, nicht so deutschen Blickwinkel.
Vielleicht besteht wirklich die allgemeine Tendenz bei Auslandsstudenten, wieder ins Ausland zu gehen. Wer einmal gepackt wurde, den läßt die Ferne kaum mehr los.
Deshalb hoffe ich, daß ich eines Tages wirklich auf dem Fuji stehen werde.

Ich hoffe, daß ich ein wenig meiner Begeisterung vermitteln konnte und der Bericht zur Entscheidungsfindung beigetragen hat.

Abschließend soll Prof. Dr. Wacke und Frau Mönnich herzlich gedankt werden, die mir diese wunderbare Erfahrung ermöglichten.

Für Fragen, Tips und Anregungen bin ich immer offen. Drücken Sie einfach hier, wenn Sie mir mailen wollen.


Winke-winke zum Abschied